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WIENER ZEITUNG · 30. März 2011
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Porno im Spiegel und Liebe in der Garage
Von Christof Habres
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| Detail aus Sofia Goscinski Spiegel-Installation "XXX" (2011). Foto: Kunstraum Bernsteiner |
Sofia Goscinski zeigt fordernde, ironische Objekte.
"Erkenne Dich selbst" als Motto.
Wien. Betritt man den Kunstraum Bernsteiner in einem Hinterhof der
Schiffamtsgasse, dann umfängt den Besucher strahlendes, klinisches Weiß.
Der Ausstellungsraum des Baumeisters und engagierten Sammlers junger zeitgenössischer Kunst, Alois Bernsteiner, ist so hell erleuchtet, dass man
anfangs fast die Augen schließen muss.
Hat man sich an das blendende Hell einmal gewöhnt, werden Sofia Goscinskis Ausstellungsobjekte sichtbar: Lediglich die beiden gegenüberliegenden Seiten des Raumes werden von der jungen Künstlerin bespielt. Auf der einen befindet sich die titelgebende Installation "head in the closet": Zwei Klomuscheln, die übereinander montiert wurden und den Besucher fast in Erwin Wurmscher Manier dazu einladen, mit den Ausstellungsobjekten zu einer Skulptur zu verschmelzen.
Auf der anderen Seite des Raums ist ein enormer Spiegel platziert (circa zwei mal drei Meter), der wiederum aus 375 Einzelspiegeln besteht. Und auf jedem einzelnen dieser Spiegel sind ein oder mehrere Begriffe eingraviert. Es kann einige Zeit in Anspruch nehmen, bis man die englischen, meist sehr absurden Begriffe richtig einzuordnen weiß. Die Installation "XXX" setzt sich aus Worten von Pornoseiten aus dem Internet zusammen, die die Künstlerin recherchiert und erfasst hat. Das Gros der Begriffe scheint den Besuchern unbekannt zu sein und manche ertappen sich beim Durchlesen dieser Wortkaskaden dabei, sich die dazugehörenden Positionen oder Kombinationen vorzustellen. Ertappt deswegen, weil der überdimensionale Spiegel unmittelbar und schonungslos jede Regung im Gesicht, in der Körperhaltung zurückwirft – sowohl persönlich auf den einzelnen Betrachter als auch für andere erkenn- und ablesbar. Eine wunderbar ironische Arbeit zum Themengebiet "Erkenne dich selbst!"
Endlos-Loop
Spielt sich die Abhandlung der Künstlerin über Pornografie in einem sehr reinen, klinischen Ambiente ab, wird ihr Video "I love you" in einer renovierungsbedürftigen, staubigen Garage des Hinterhofs gezeigt. In einem Endlos-Loop, der auf drei Bildschirmen projiziert wird, spricht Sofia Goscinski diese bedeutenden Worte zwischenmenschlicher Beziehungen. In einer Häftlingsporträtfoto-Ästhetik wiederholt die Künstlerin diese Worte bis zur Schmerzgrenze immer wieder. Sie hat das Video derart bearbeitet, Wortteile, einzelne Buchstaben kopiert und zu einem rauen Stammeln zusammengesetzt, dass das Endprodukt zu einer schmerzhaften, jedweder Romanik beraubten Tour de Force geworden ist.
Eine fordernde Ausstellung, die zwischen Ironie und einer Portion Sardonismus Ebenen zwischenmenschlicher Interaktion beleuchtet.
"head in the closet" von Sofia Goscinski; Ausstellungsdauer: 23. März bis 8. Mai; Kunstraum Bernsteiner
| ► Printausgabe 30. März 2011 | ![]() |


