Fotocredits: Martin Vesely

 

Der Kunstraum Bernsteiner

... reloaded

 

Der Kunstraum Bernsteiner hat eine erstaunliche Metamorphose hingelegt: Er hat sich von einem in der Peripherie "entlegenen" Anziehungspunkt zu einem zentralen architektonischen  Ensemble im Werden gewandelt. Die alte Heimat Simmering wurde durch eine neue Adresse in Wiens (seit langem) kommendstem Grätzl getauscht. Nun kann man in Kürze nicht nur mit der U-Bahn zu den legendären Eröffnungen fahren, nicht wenige der Besucher werden zu Fuß kommen, ohne sich Blasen zu holen.

 

Alois Bernsteiner kennt den Hof und das Gebäude in der Schiffamtsgasse 11 im zweiten Wiener Gemeindebezirk schon seit längerer Zeit. Christian Droste, Adam Wiener und – damals noch – Gelatin nutzten das Areal als Atelier und Treffpunkt, den auch Bernsteiner immer wieder besuchte.

Und er war sofort fasziniert von diesem Ensemble, das seit 1937 keine Änderungen mehr erlebt hatte, den Geist einer lange vergangenen Zeit atmete und für ihn gleichzeitig ein großartiges und ausgesprochen animierendes Potential für Neues ausstrahlte.

 

Nach einigem Hin und Her kaufte er 2005 den Hof und die daran angrenzenden Gebäudeteile, die früher als Werkstatt und Stall dienten. Nun ging es darum, die vorhandene vorindustrielle Struktur sensibel zu renovieren, die Atmosphäre zu erhalten und dabei nicht den Fehler zu begehen, zu historisieren, das Alte nachzubauen oder einfach zu erhalten und zu fixieren.

Bernsteiner wollte und will einen lebendigen, neuen, attraktiven und gerne auch provozierenden Ort der Kunst, der Zusammenkunft und Auseinandersetzung schaffen. Nicht umsonst heisst sein Trägerverein "Friends and Art".

 

In den Überlegungen, wie den dieses Ensemble seine Anmutung behalten aber gleichzeitig auch eine zeitgemäße Atmosphäre vermitteln könne, hat Alois Bernsteiner – dem Motto seines Vereines gemäß – mit vielen Freunden und Bekannten gesprochen.

 

Bei einem dieser Gespräche war auch Martin Vesely zugegen, der sich anbot, Ideen zu entwickeln – beziehungsweise Ideen hatte, die er gerne näher ausführen wollte. Alois Bernsteiner ging darauf ein und bat ihn um einige Zeichnungen, um Entwürfe, damit er sich eine Vorstellung machen könne. Es dauerte nur kurze Zeit, bis Martin Vesely mit seinen Vorschlägen zu Bersteiner kam. Und nach wenigen präzisierenden Korrekturen und Diskussionen war man sich für ein Kunst am Bau Projekt einig: Vesely sollte das Konzept für die Türen und Fenster des neuen Galerieraumes entwerfen und die Fertigung als künstlerischer Leiter überwachen. Die notwendigen Schweiß- und anderen Arbeiten sollten Bernsteiners erprobte Arbeiter übernehmen.

 

Nach den ersten Versuchen wurde allerdings klar, dass es so nicht ging: Korrekturen im Nachhinein sind beim Schweißen eher problematisch und zeitraubend! Vesely musste, wollte er die Arbeit, die für ihn ja ein wichtiges Projekt geworden war, realisieren, selbst Hand anlegen. Er musste Schweißen nicht nur von Grund auf lernen, sondern professionell damit umgehen, um die Türen und Fenster in der Qualität, die ihm vorschwebte, selbst herstellen zu können.  Bernsteiner stellte ihm noch einen Helfer zur Verfügung, um die schwere Arbeit etwas zu erleichtern, und dann ging es los. Vesely lernte schnell und ging in der Umsetzung seines Konzeptes so weit, dass er auch die Rundungen, die üblicherweise gebogen werden, selbst machte: Sie bestehen aus zerschnittenen und verschweißten kurzen Stäben. Nach einigen Monaten intensiver Arbeit waren die Türen und Fenster geschweißt. Sie mussten "nur" noch eingebaut, gestrichen (die Auswahl der Farbe war noch ein Thema zwischen Künstler und Auftraggeber) und verglast werden.

Gerald Nestler