Roland Maurmair, Extreme Tree Hugging, Plakat, 2015

 

Roland Maurmair  

vor lauter Wald

 

 

 

 

Eröffnung: Freitag, 27. Februar 2015, 19–22 Uhr

 

Durch die Ausstellung führen:

 

Die Kulturphilosophin Elsbeth Wallnöfer und

Boris Manner, Universität für angewandte Kunst

 

 

vor lauter Wald ist Roland Maurmairs poetischer Auftakt zu seinem aktuell laufenden Projekt Bound by Nature. Der Wald bietet Schutz, er ist Heimat vieler Lebewesen, er bietet Erholung und ist Energieressource. In den Lebenswelten des Waldes herrscht das Recht des Stärkeren und dennoch sieht Maurmair im Wald eine wärmende, weiche, Ruhe und Sicherheit spendende Weiblichkeit. Die Installationen, Graphiken und intermedialen Arbeiten des Künstlers eröffnen einen facettenreichen, sensiblen Kosmos ungeahnter Sinnlichkeit.

 

 

 

Ausstellungsdauer: 28. Februar – 25. März 2015

Öffnungszeiten: Mi–Fr, 16–19 Uhr

sowie nach telefonischer Vereinbarung: +43 (0) 650 4433957

 

Finissage: Mittwoch, 25. März 2015, 19–22 Uhr

Präsentation der Edition "Shaped#00"

 

Roland Maurmair, Bound by nature, Installation - Objekt - Video, 2015

 

ROLAND MAURMAIR: Bound by Nature

 

Derjenige, der seinen Trieb verleugnet, verleugnet genau das,

was ihn zum Menschen macht. Maus im Film "Matrix"

 

Gefesselt an die Natur: Da hilft keine Gegenwehr, keine Finte, so sehr der Intellekt sich auch noch anstrengt und Überwindungsstrategien ersinnt. Wir flüchten uns in den Fetisch, schaffen uns neue Naturen, virtuelle Welten, in denen wir nach Befriedigung suchen.

Die Selbsterhaltung will gesichert sein, sexuelle Begierden und der Hunger nach Anerkennung und Macht wollen gestillt werden. In den von uns geschaffenen, künstlichen Environments werden wir selbst auch artifiziell. Unsere Gesundheit erhalten wir weitgehend durch Medikation, auch unseren Körper verwandeln wir nach Bedarf: Kleine Nasen, große Brüste, Mann zu Frau und umgekehrt. Wir verändern sogar den Genpool unserer Umwelt. Wir dopen uns in höchste Alter, aber wozu? Um noch länger zu leiden? Um zusehends an der eigenen Zivilisation zu erkranken? Agieren wir noch artgerecht?

Den kulturkritischen Betrachtung Freuds zufolge schränkt unser Streben nach Kultur und der damit verbundenen Bildung sozialer Einheiten unsere Befriedigung sexueller und aggressiver Triebe ein. Aggression wandelt sich zu Schuldgefühl und die Kultur wird zu einer von uns selbst indizierten Leidensquelle.*

Je mehr wir an der Zivilisation arbeiten, uns kulturell vervollständigen, umso mehr entfernen wir uns von einem ursprünglich natürlichen Setting hin zu einer abstrahierten Natürlichkeit. Und doch bleibt immer ein Rest ungebändigten und unbändigbaren Triebes in uns, so sehr wir auch die Kunst der Sublimierung bemühen. Ein Trieb, der zurück zur Natur will; jenes in uns, das gefesselt sein will.

 

* Vgl. Sigmund Freud, "das Unbehagen in der Kultur "

Website des Künstlers